PERMA Modell
Warum Glück und Erfolg zusammenhängen
Heute ist Welttag des Glücks. Und ich finde, das ist ein wunderbarer Anlass, um einen Gedanken stärker in den Mittelpunkt zu rücken, den wir in unserem Erfolgsdenken und -handeln oft unterschätzen: das Glück. Oder etwas präziser gesagt: das bewusste Streben nach einem erfüllten, stimmigen und sinnvollen Leben.
Denn in vielen leistungsorientierten Kontexten wird Glück noch immer missverstanden. Es gilt schnell als etwas Privates, Weiches oder Zufälliges. Als netter Zusatz, aber nicht als ernst zu nehmender Faktor für Leistung, Resilienz und Entwicklung. Genau das sehe ich anders. Als Coach und Trainerin, die das Privileg hat, mit inspirierenden Führungskräften und außergewöhnlichen Sportlern zu arbeiten – und ich empfinde das wirklich als Privileg –, erlebe ich immer wieder, dass nachhaltiger Erfolg selten dort entsteht, wo Menschen nur funktionieren. Er entsteht viel häufiger dort, wo Menschen in Verbindung mit ihren Stärken, ihren Werten, ihren Beziehungen und ihrem Sinn sind.
Glück als Grundlage für Wohlbefinden und Erfolg
Wenn wir über Erfolg sprechen, denken viele zunächst an Zielerreichung, Status, Ergebnisse, Leistung oder Anerkennung. All das kann wichtig sein. Aber es greift zu kurz, wenn es vom inneren Erleben abgekoppelt ist. Denn was nützt ein erreichter Meilenstein, wenn er innerlich leer bleibt? Was nützt Leistung, wenn sie dauerhaft auf Kosten von Gesundheit, Verbundenheit und Lebensfreude geht?
Genau hier bietet die positive Psychologie einen sehr wertvollen Blickwinkel. Insbesondere Martin Seligman, der als Pionier dieses Feldes gilt, hat unser Verständnis von Glück deutlich erweitert. Glück ist nach dieser Perspektive nicht nur ein flüchtiger Zustand, kein bloßes Hochgefühl und auch nicht einfach das Ergebnis günstiger äußerer Umstände. Vielmehr entsteht es aus mehreren tragenden Elementen, die zusammen ein erfülltes Leben ermöglichen – und gleichzeitig die Grundlage für stabile Leistung bilden.
Das PERMA Modell: Was Glück wirklich bedeutet
Martin Seligman beschreibt mit dem PERMA-Modell fünf zentrale Bausteine von Wohlbefinden und Erfüllung: positive Emotionen, Engagement, Sinn, positive Beziehungen und Zielerreichung. Ich halte dieses Modell für besonders hilfreich, weil es Glück nicht romantisiert, sondern konkret und alltagstauglich macht.
Es zeigt uns, dass Glück kein Zufallsprodukt ist. Es ist etwas, das wir bewusst gestalten können – im privaten Leben, in der Führung und auch im Sport.
Positive Emotionen: Warum Freude Leistung nicht schwächt, sondern stärkt
Positive Emotionen wie Freude, Dankbarkeit, Zuversicht und Optimismus sind weit mehr als angenehme Begleiter. Sie helfen uns, innerlich beweglich zu bleiben und Herausforderungen konstruktiver zu begegnen. Menschen, die regelmäßig positive Emotionen erleben, haben oft einen besseren Zugang zu ihren Ressourcen. Sie denken weiter, reagieren flexibler und können sich nach Belastungen schneller stabilisieren.
Gerade in anspruchsvollen Situationen zeigt sich das. Wer ausschließlich unter Druck, Angst oder innerer Anspannung agiert, verengt häufig den Blick. Wer dagegen auch positive Emotionen kultiviert, erweitert seine Wahrnehmung. Das stärkt nicht nur das Wohlbefinden und die Flexibilität, sondern auch die Resilienz und damit die Fähigkeit, auch in schwierigen Zeiten handlungsfähig zu bleiben.
Engagement: Wenn Stärken, Fokus und Flow zusammenkommen
Ein weiterer zentraler Baustein ist das Engagement. Gemeint ist damit der Zustand, in dem wir ganz in einer Tätigkeit aufgehen, unsere Stärken einsetzen und innerlich beteiligt sind. Viele kennen dieses Erleben als Flow. In solchen Momenten sind wir nicht nur konzentriert, sondern oft auch besonders leistungsfähig, kreativ und erfüllt.
Gerade im Coaching von Führungskräften und Sportlern ist das ein sehr wichtiger Punkt. Denn Leistung steigt häufig nicht dann am stärksten, wenn Menschen maximalen Druck verspüren, sondern wenn sie in echter Verbindung mit ihren Fähigkeiten sind. Das Wissen um die eigenen Stärken und deren bewusster Einsatz sind deshalb zentrale Hebel für Entwicklung. Wer weiß, worin er gut ist und unter welchen Bedingungen er sein Potenzial am besten entfalten kann, arbeitet nicht nur wirksamer, sondern meist auch gesünder.
Sinn: Warum Leistung Richtung braucht
Sinn ist ein weiterer tragender Pfeiler. Ein Leben zu führen, das größer ist als wir selbst und das wir als sinnvoll erleben, verändert unsere Haltung zu Herausforderungen grundlegend. Wer Sinn erlebt, hält Belastung oft anders aus. Nicht leichter, aber bewusster. Es entsteht eine andere Tiefe, eine andere Stabilität.
Das gilt auch im beruflichen Kontext. Menschen möchten nicht nur funktionieren, sondern verstehen, wofür sie etwas tun. Gerade Führungskräfte unterschätzen manchmal, wie stark Sinn mit Motivation, Bindung und langfristiger Leistungsfähigkeit zusammenhängt. Ziele, die für uns und andere Bedeutung haben, geben Richtung. Sie helfen uns, auch in intensiven Phasen in Verbindung mit uns selbst zu bleiben.
Positive Beziehungen: Der oft unterschätzte Erfolgsfaktor
Positive Beziehungen sind aus meiner Sicht einer der am meisten unterschätzten Faktoren, wenn es um Erfolg, Wohlbefinden und Entwicklung geht. Authentische, unterstützende Beziehungen sind der Klebstoff, der uns zusammenhält, uns durch Herausforderungen trägt und uns auch gesundheitlich stärkt.
Gerade im Coaching und in der Arbeit mit Teams zeigt sich immer wieder, wie stark Beziehungen Leistung beeinflussen. Vertrauen, Zugehörigkeit, Wertschätzung und psychologische Sicherheit sind keine „weichen Themen“, sondern echte Leistungsfaktoren. Menschen, die sich gesehen, getragen und verbunden fühlen, können oft freier denken, mutiger handeln und sich besser regulieren.
Das gilt für Führung ebenso wie für den Sport. Teams werden nicht allein durch Zielvorgaben stark, sondern durch ihre Beziehungskultur. Und auch Einzelne sind selten langfristig erfolgreich, wenn sie nur auf Selbstoptimierung setzen, aber keine tragenden Beziehungen pflegen.
Zielerreichung: Erfolg bewusst gestalten und Zwischenziele feiern
Der fünfte Baustein ist die Zielerreichung. Gute Ziele zu setzen und zu erreichen, ist wichtig. Ziele geben Orientierung, schaffen Fokus und bündeln Energie. Sie helfen uns, aus Wünschen konkrete Schritte zu machen.
Wichtig ist jedoch, wie wir mit Zielen umgehen. Werden sie nur zu einem ständigen Maßstab dafür, ob wir „genug“ sind, verlieren sie ihre stärkende Wirkung. Werden sie dagegen sinnvoll gewählt, realistisch strukturiert und mit Zwischenzielen verbunden, können sie Motivation und Selbstwirksamkeit deutlich stärken. Gerade das bewusste Feiern von Zwischenschritten halte ich für sehr wertvoll. Es schafft Anerkennung für Entwicklung, nicht nur für das Endergebnis.
Glück als Leistungsfaktor in Führung und Sport
Ich bin fasziniert von der Macht, die das Streben nach Glück in unserer persönlichen und professionellen Entwicklung hat. Und ich meine damit ausdrücklich nicht eine oberflächliche Vorstellung von Glück. Es geht nicht darum, ständig gut gelaunt zu sein oder Schwierigkeiten auszublenden. Es geht um etwas Tieferes: um innere Stimmigkeit, um Verbindung, um Richtung und um die Fähigkeit, Leistung mit Menschlichkeit zu verbinden.
Genau darin liegt für mich auch die Stärke des PERMA-Modells. Es zeigt, dass Wohlbefinden und Leistung keine Gegensätze sein müssen. Im Gegenteil: Sie können sich gegenseitig stärken. Das macht Glück zu einem kraftvollen Verbündeten im Coaching von Führungskräften und Sportlern. Es beeinflusst nicht nur die individuelle Leistung, sondern auch das Teamgefüge, die Führungskultur und die Qualität von Zusammenarbeit.
PERMA Modell FAQ
Was ist das PERMA Modell nach Martin Seligman?
Das PERMA Modell ist ein Konzept aus der positiven Psychologie, das von Martin Seligman entwickelt wurde. Es beschreibt fünf zentrale Bausteine für Wohlbefinden und ein erfülltes Leben: Positive Emotionen, Engagement, Relationships, also positive Beziehungen, Meaning, also Sinn, und Accomplishment, also Zielerreichung.
Wofür steht PERMA?
PERMA ist ein Akronym:
P = Positive Emotionen
E = Engagement
R = Relationships, also positive Beziehungen
M = Meaning, also Sinn
A = Accomplishment, also Zielerreichung
Warum ist das PERMA Modell wichtig?
Das PERMA Modell hilft dabei, Glück und Wohlbefinden nicht als Zufall zu betrachten, sondern als etwas, das aktiv gestaltet werden kann. Es zeigt, welche Faktoren Menschen langfristig stärken – persönlich, beruflich und im sozialen Miteinander.
Wie lässt sich das PERMA Modell im Alltag anwenden?
Das PERMA Modell lässt sich sehr gut im Alltag nutzen, zum Beispiel durch bewusste Dankbarkeit, den Einsatz eigener Stärken, gute Beziehungen, sinnvolle Ziele und das Feiern kleiner Erfolge. Schon kleine Veränderungen können helfen, das Wohlbefinden spürbar zu stärken.
Welche Rolle spielt das PERMA Modell im Beruf?
Im beruflichen Kontext kann das PERMA Modell dazu beitragen, Motivation, Resilienz, Zusammenarbeit und Zufriedenheit zu fördern. Besonders für Führungskräfte ist es hilfreich, weil es zeigt, wie Leistung und Wohlbefinden gemeinsam gestärkt werden können.
Ist das PERMA Modell nur für Führungskräfte geeignet?
Nein, das PERMA Modell ist für alle Menschen relevant. Es kann sowohl im Coaching als auch im Privatleben, im Sport, in Teams oder in Unternehmen angewendet werden. Seine Stärke liegt gerade darin, dass es so alltagstauglich und vielseitig ist.
Glück nicht dem Zufall überlassen
Lassen Sie uns gemeinsam das Glück nicht als Zufallsprodukt sehen, sondern als zentrales Element unseres Lebens und damit auch unseres individuellen Erfolgs. Wer Glück im Sinne von Erfüllung, Sinn, Beziehung, Engagement und positiver Entwicklung versteht, erkennt schnell: Es geht nicht um weniger Leistung. Es geht um die bessere Grundlage für Leistung.
Vielleicht ist genau das die entscheidende Perspektive am Welttag des Glücks: Nicht zu fragen, ob Glück im leistungsorientierten Alltag Platz haben darf, sondern zu erkennen, dass echte und nachhaltige Leistung ohne diese Dimension oft brüchig bleibt.
Denn Freude, Sinn, Verbundenheit und Zielklarheit sind keine Nebensachen. Sie sind Teil eines starken, gesunden und erfolgreichen Lebens.
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